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Juni 2017: Travel Industry Club | Mobiles Arbeiten – Von der Chance zur Pflicht

Freiheit und Mobilität, vom Chef verordnet. Das klingt ein bisschen wie der Lachzwang beim Karneval. Doch wollen die Mitarbeiter das überhaupt? Damit hat sich die Studie „Mobile Work 2017“ der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) beschäftigt, für die 1065 Beschäftigte aus diversen Branchen und Karrierestufen befragt wurden. Wichtigstes Ergebnis: 60% der Befragten arbeiten mit mobilen Endgeräten. Fast die Hälfte arbeiten sowohl intern als auch extern mobil. Aber fast 30% der Studienteilnehmer stehen dem mobilen Arbeiten kritisch gegenüber, bevorzugen einen festen Schreibtisch in „ihrem“ stationären Büro.

Derweil ist der Trend (und teilweise Zwang) zum mobilen Arbeiten auch in der Tourismusbranche längst angekommen. Anfang 2016 gab Lufthansa-Chef Carsten Spohr bekannt, in der Frankfurter Unternehmenszentrale die festen Schreibtische aller Mitarbeiter abzuschaffen. Stattdessen müssen sich die Angestellten nun jeden Morgen einen freien Platz suchen. Wenn sie denn überhaupt zur Arbeit kommen. Denn Homeoffice ist ausdrücklich erwünscht. Zudem sind immer einige Mitarbeiter auf Dienstreise, krank oder im Urlaub. Daher stehen nur noch für zwei von drei Mitarbeitern Arbeitsplätze zur Verfügung. Das spart Raumkosten. Allerdings kann es vorkommen, dass ein Mitarbeiter keinen Platz mehr findet. Vielleicht gibt es noch ein Stehpult, einen Platz auf dem Flur oder in einer Besprechungsecke. Oder er fährt wieder nach Hause. Klar, dass diese „Revolution im Büro“ (FAZ) nicht bei allen Betroffenen gut ankam.

Prof. Dr. Jochen Prümper, Leiter der Mobile Work-Studie, kategorisiert die Arbeitnehmer in vier Mobile Work-Typen, basierend auf drei Variablen: Offenheit gegenüber mobilem Arbeiten, Fachwissen im Umgang mit mobilen Technologien (z.B. ausreichender Schutz der Daten oder die Fähigkeit, technische Probleme zu lösen) sowie Wohlfühlfaktor.

Am weitesten sind die „Mobile Minds“: Sie sind sehr offen gegenüber mobiler IT, können damit bestens umgehen und fühlen sich in der digitalen Welt uneingeschränkt wohl. Ca. ein Drittel der Befragten stimmten dem zu. Die zweite Stufe sind die „Mobile Naïfs“ (ca. 8,5%). Auch sie arbeiten gerne mobil und fühlen sich dabei wohl, allerdings fehlt es ihnen noch an technischer Fachkenntnis und Erfahrung. Die dritte Gruppe, „Mobile Dreamer“ (ca. 21 %), ist zwar grundsätzlich zum mobilen Arbeiten bereit, aber ihre mangelnde Vertrautheit mit den Technologien führt zu Unwohlsein. Auf der untersten Stufe stehen die „Mobile Potentials“. Denen mangelt es schlicht an der Bereitschaft, sich überhaupt mit den Möglichkeiten mobiler Arbeit auseinanderzusetzten. Mit über 28% ist diese Gruppe noch immer erstaunlich groß.

Damit stehen sich in vielen Firmen zwei Gruppen gegenüber: Die Fans und die Skeptiker mobiler Arbeitsformen. Diese beiden Lager zu harmonisieren, sieht Prümper als eine große Herausforderung, der sich Unternehmen in den nächsten Jahren stellen müssen. Die Mitarbeiter selbst werden sich derweil wohl daran gewöhnen müssen, dass mobiles Arbeiten von einem hippen Trend aus der Start-up Szene zunehmend zum neuen Status-quo und zur Pflicht wird. Da hilft es nur, sich möglichst früh ein gewisses Grundwissen über Virtual Private Networks, Proxy-Server-Konfigurationen und Verschlüsselungstechnologien anzueignen, um nicht eines Tages (schlechtestenfalls in einem Vorstellungsgespräch) von der mobilen Welle überrollt zu werden.

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